Unternehmer werden: Voraussetzungen, erste Schritte und was Sie wirklich brauchen

Unternehmer werden: Was muss ich bedenken?
Haben Sie das Zeug, Unternehmer zu werden? Machen Sie den Test: Laden Sie dafür die Checkliste herunter.

Unternehmer werden bedeutet, ein eigenes Unternehmen zu gründen, Verantwortung für Geschäftsentscheidungen zu übernehmen und wirtschaftliche Risiken selbst zu tragen. Wer Unternehmer werden möchte, braucht neben einer tragfähigen Geschäftsidee auch kaufmännisches Grundwissen, unternehmerisches Denken und die Bereitschaft, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen.

Haben Sie das Zeug dazu? Selbstcheck für angehende Unternehmer

Bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, lohnt sich eine ehrliche Selbstreflexion. Viele Menschen gründen aus einer konkreten Situation heraus: Das passende Jobangebot fehlt, ein befristeter Vertrag läuft aus oder eine Abfindung bietet finanziellen Spielraum. Diese Ausgangslage allein macht jedoch noch keinen Unternehmer.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Können Sie mit Leistungsdruck, Unsicherheit und Termindruck umgehen?
  • Sind Sie bereit, Arbeitswochen mit deutlich mehr als 40 Stunden zu akzeptieren – zumindest in der Anfangsphase?
  • Verfügen Sie über fachliches Know-how in Ihrem geplanten Bereich?
  • Haben Sie Grundkenntnisse in Buchhaltung, Kalkulation oder Unternehmensführung?
  • Können Sie Entscheidungen treffen, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen?

Wenn Sie bei mehreren Punkten unsicher sind, bedeutet das nicht, dass eine Gründung ausgeschlossen ist. Es zeigt jedoch, wo gezieltes Coaching oder Weiterbildung sinnvoll wäre.

Unternehmer, Manager, Angestellter – drei Rollen in einer Person

Als Gründer übernehmen Sie vom ersten Tag an drei Rollen gleichzeitig. Als Unternehmer entwickeln Sie Ihre Vision und treffen strategische Entscheidungen. Als Manager koordinieren Sie Abläufe, Ressourcen und Personal. Als Angestellter erledigen Sie operative Aufgaben – oft selbst, insbesondere am Anfang.

Diese drei Rollen unter einen Hut zu bringen, ist eine der größten Herausforderungen beim Gründen. Wer ausschließlich im operativen Bereich arbeitet und das strategische Denken vernachlässigt, verliert schnell den Überblick über das eigene Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig aus dem Tagesgeschäft herauszunehmen und das große Bild im Blick zu behalten.

Vom Fachmann zum Unternehmer: Warum Fachwissen allein nicht reicht

Viele Gründer bleiben in ihrem vertrauten Fachgebiet: Die Physiotherapeutin eröffnet eine eigene Praxis, der Zimmerer seinen eigenen Betrieb. Das bringt den Vorteil mit sich, dass fachliches Wissen und Branchenerfahrung bereits vorhanden sind. Gleichzeitig birgt genau das ein häufiges Risiko.

Wer jahrelang als Angestellter gearbeitet hat, denkt und handelt oft weiterhin wie ein Angestellter – auch nach der Gründung. Kaufmännische Grundlagen wie Preiskalkulation, Liquiditätsplanung oder Kundengewinnung werden unterschätzt oder vernachlässigt. Dadurch geraten viele Gründer trotz guter fachlicher Qualifikation in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Unternehmer werden: Die wichtigsten Schritte im Überblick

Der Weg zur Unternehmensgründung folgt keinem starren Schema, aber bestimmte Schritte sind für fast alle Gründer relevant:

  1. Geschäftsidee entwickeln und prüfen – Gibt es einen echten Marktbedarf? Wer ist Ihre Zielgruppe?
  2. Businessplan erstellen – Strukturiert Ihre Idee, hilft bei der Finanzierungsplanung und ist Voraussetzung für viele Fördermittel
  3. Rechtsform wählen – Einzelunternehmen, GmbH, UG oder GbR: Die Wahl hat steuerliche und haftungsrechtliche Konsequenzen (Hinweis: Lassen Sie sich hierzu steuerlich und rechtlich beraten)
  4. Finanzierung klären – Eigenkapital, Bankkredit, Fördermittel oder Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit
  5. Gewerbe anmelden oder Freiberuflichkeit prüfen – Je nach Tätigkeit gelten unterschiedliche Voraussetzungen
  6. Versicherungen abschließen – Krankenversicherung, Berufshaftpflicht und weitere je nach Branche
  7. Kunden gewinnen – Online-Präsenz, Netzwerk und Marketing von Anfang an mitdenken

Standort, Steuern und Kosten: Was viele Gründer unterschätzen

Auch die Rahmenbedingungen Ihrer Gründung haben direkten Einfluss auf Ihren wirtschaftlichen Erfolg. Bei der Standortwahl spielen nicht nur die Nähe zur Zielgruppe und die Wettbewerbssituation eine Rolle – auch Gewerbesteuerhebesätze und Mietkosten variieren je nach Region erheblich. Eine gründliche Recherche im Vorfeld kann sich deshalb langfristig finanziell lohnen.

Außerdem sollten Sie von Beginn an die steuerlichen Grundlagen kennen: Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und die Pflicht zur ordnungsgemäßen Buchführung betreffen nahezu alle Unternehmer. Holen Sie sich hier frühzeitig professionelle Unterstützung durch einen Steuerberater.

Typische Fehler beim Gründen – und wie Sie sie vermeiden

Viele Gründer scheitern nicht an ihrer Idee, sondern an vermeidbaren Fehlern. Die häufigsten sind:

  • Zu wenig Eigenkapital eingeplant – laufende Kosten werden unterschätzt
  • Kein klares Alleinstellungsmerkmal – der Markt ist gesättigt, die Positionierung unklar
  • Vernachlässigung des Marketings – Kunden kommen nicht von allein
  • Fehlende kaufmännische Grundlagen – Preise werden zu niedrig kalkuliert
  • Isolation – kein Netzwerk, kein Austausch mit anderen Gründern oder Beratern

Wer diese Stolpersteine kennt, kann gezielt gegensteuern – am besten schon vor der Gründung.

Gründungsförderung nutzen: AVGS und Gründungszuschuss

Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, hat Anspruch auf staatliche Unterstützung. Der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit sichert in der Anfangsphase Ihr Einkommen und gibt Ihnen finanziellen Spielraum. Zusätzlich können Sie mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ein professionelles Gründungscoaching vollständig kostenfrei in Anspruch nehmen.

Diese Förderung ist zeitlich begrenzt und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft – deshalb lohnt es sich, frühzeitig aktiv zu werden.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema Unternehmer werden

Was braucht man, um Unternehmer zu werden?

Für die Gründung eines Unternehmens brauchen Sie eine tragfähige Geschäftsidee, einen Businessplan, die passende Rechtsform und ausreichend Startkapital. Darüber hinaus sind kaufmännisches Grundwissen, unternehmerisches Denken und die Bereitschaft zur Eigenverantwortung entscheidend.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstständig und Unternehmer?

Selbstständige arbeiten in der Regel allein und verkaufen ihre eigene Arbeitsleistung – zum Beispiel als Freiberufler. Unternehmer hingegen bauen ein Unternehmen auf, das auch ohne ihre direkte Arbeitskraft funktioniert, und beschäftigen oft Mitarbeitende.

Kann ich ohne Kapital ein Unternehmen gründen?

Grundsätzlich ja, je nach Rechtsform und Geschäftsmodell. Allerdings sollten Sie laufende Kosten und eine Anlaufphase ohne Einnahmen einkalkulieren. Fördermittel wie der Gründungszuschuss oder ein AVGS-Coaching können den Start erleichtern.

Wie lange dauert es, bis ein Unternehmen profitabel ist?

Das hängt stark von Branche, Geschäftsmodell und Planung ab. Viele Unternehmen brauchen ein bis drei Jahre, um profitabel zu werden. Eine solide Finanzplanung im Businessplan hilft, diesen Zeitraum realistisch einzuschätzen.

Welche Unterstützung gibt es für Gründer?

Neben staatlichen Förderprogrammen wie dem Gründungszuschuss gibt es professionelle Gründungsberatung – zum Teil vollständig kostenfrei über einen AVGS der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters.

Professionelle Unterstützung auf dem Weg zur Gründung

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist eine der bedeutendsten Entscheidungen im Berufsleben. Damit er gelingt, brauchen Sie mehr als eine gute Idee – Sie brauchen einen klaren Plan, fundiertes Wissen und die richtige Begleitung.

Die Existenzgründungsberatung von Karriere.Haus unterstützt Sie dabei: von der ersten Idee über den Businessplan bis zur Markteinführung. Mit einem AVGS der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters ist das Coaching für Sie vollständig kostenfrei.