Migranten als Existenzgründer: Chancen, Hürden und Förderung in Deutschland

zufriedener Mann vor Laptop
Es gibt verschiedene Gründe für Migranten als Existenzgründer in Deutschland durchzustarten.

Jede siebte Startup-Gründung in Deutschland geht auf eine Person mit Migrationshintergrund zurück. Damit sind Migranten und Migrantinnen als Existenzgründer eine relevante und wachsende Kraft im deutschen Gründungsgeschehen. Dieser Beitrag zeigt, warum das so ist, welche Hürden es gibt und welche Förderungen angehenden Gründern mit Migrationshintergrund offenstehen.

Wie viele Migranten gründen in Deutschland?

Laut dem Migrant Founders Monitor 2025 haben 14 % der Startup-Gründerinnen und -Gründer in Deutschland einen Migrationshintergrund. Besonders auffällig ist ihr Anteil bei sogenannten Unicorns, also Startups mit einer Milliardenbewertung: Dort liegt der Anteil bei 23 %. Das zeigt, dass Migranten nicht nur häufig gründen, sondern auch besonders wachstumsstarke Unternehmen aufbauen.

Zum Vergleich: In den USA liegt der Anteil migrantischer Gründer bei Unicorns bei 44 % – Deutschland hat also noch erhebliches Potenzial, diesen Talentpool besser zu nutzen.

Bereits vor einigen Jahren zählte der Mikrozensus rund 680.000 migrantische Selbstständige in Deutschland. Aktuelle Schätzungen gehen von rund 750.000 Selbstständigen mit Migrationshintergrund aus. Damit sind Migranten und Migrantinnen als Existenzgründer ein fester Bestandteil der deutschen Wirtschaft.

Warum gründen Migranten häufiger als Deutsche?

Die Gründe sind vielfältig. Gonca Türkeli-Dehnert, Geschäftsführerin der Deutschlandstiftung Integration, bringt es auf den Punkt:

„Existenzgründungen von Migrant*innen waren in der Vergangenheit oft Notgründungen, weil sie schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten. Heute sind Existenzgründungen aber in der Regel Chancengründungen, überwiegend von Menschen mit einem akademischen Abschluss!”

Tatsächlich belegen die Zahlen des Migrant Founders Monitor 2025 diese Einschätzung: 91 % der migrantischen Gründerinnen und Gründer haben einen Hochschulabschluss, davon 56 % in einem MINT-Fach. Dadurch bringen sie häufig technologische Expertise mit, die für innovative Startups besonders wertvoll ist.

Außerdem zeigen migrantische Gründer im Vergleich zu anderen Gründern eine höhere Resilienz (57 % gegenüber 51 %) und eine ausgeprägtere Risikobereitschaft (44 % gegenüber 36 %). Diese Eigenschaften entstehen oft durch die Erfahrung, in einem neuen Land von Grund auf neu anzufangen – und genau das ist auch eine wichtige Grundlage für unternehmerisches Handeln.

Deutschland selbst bietet dabei günstige Rahmenbedingungen: eine stabile Infrastruktur, ein verlässliches Rechtssystem und eine gut ausgebaute Förderstruktur. Insbesondere Berlin und das Ruhrgebiet ziehen Gründungswillige aus dem Ausland an.

Diversität als Stärke – so prägen migrantische Gründer ihre Unternehmen

Migrantische Gründerinnen und Gründer bringen ihre internationale Perspektive direkt in ihre Unternehmen ein. Das zeigt sich an konkreten Zahlen:

  • Internationale Netzwerke: 45 % der migrantischen Gründer bewerten ihre internationalen Netzwerke positiv – gegenüber 32 % aller Gründer.
  • Internationale Teams: Im Schnitt kommen 47 % der Mitarbeitenden in Startups migrantischer Gründer aus dem Ausland; der Vergleichswert liegt bei 27 %.
  • Arbeitssprache: In vielen Startups der ersten Gründergeneration ist Englisch die Arbeitssprache – deutlich häufiger als im deutschen Startup-Durchschnitt.

Dadurch entstehen Unternehmen, die von Anfang an international denken und handeln. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil, insbesondere in tech-orientierten Branchen.

Welche Hürden gibt es bei der Gründung mit Migrationshintergrund?

Trotz aller Stärken stehen Migranten als Existenzgründer vor spezifischen Herausforderungen. Die wichtigsten sind:

Sprache

Die Sprache bleibt die größte praktische Hürde. Viele Behördengänge, Verträge und Förderprogramme sind ausschließlich auf Deutsch verfügbar. Nur 34 % der migrantischen Gründer bewerten die Sprachanforderungen in Deutschland als gut. Wer die Sprache noch nicht ausreichend beherrscht, sollte frühzeitig Unterstützung suchen – etwa durch mehrsprachige Beratungsangebote oder Gründungscoachings.

Lokale Netzwerke

Während migrantische Gründer bei internationalen Kontakten stark aufgestellt sind, fehlen ihnen häufig lokale Netzwerke in Deutschland. Nur 46 % bewerten ihre lokalen Kontakte positiv – bei allen Gründern sind es 57 %. Lokale Gründernetzwerke, IHK-Angebote und Coworking-Spaces können dabei helfen, diese Lücke zu schließen.

Aufenthaltsrechtliche Voraussetzungen für Nicht-EU-Bürger

Hinweis: Dieser Abschnitt gibt einen allgemeinen Überblick. Für Ihre individuelle Situation empfehlen wir eine rechtliche Beratung.

Wer aus einem Nicht-EU-Land stammt, benötigt für eine selbstständige Tätigkeit in Deutschland in der Regel eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis. Relevant ist dabei insbesondere § 21 AufenthG, der die Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit regelt. Voraussetzungen sind unter anderem ein tragfähiges Geschäftskonzept, ausreichende finanzielle Mittel und ein nachgewiesenes wirtschaftliches Interesse. Nur 17 % der migrantischen Gründer bewerten die Rahmenbedingungen für Fachkräfteeinwanderung als gut – hier besteht in Deutschland noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Bürokratie und Verwaltung

Gewerbeanmeldung, Steuernummer, Krankenversicherung, Businessplan für Fördermittel – der administrative Aufwand bei der Gründung ist hoch. Für Menschen, die das deutsche System noch nicht vollständig kennen, ist dieser Aufwand besonders herausfordernd. Professionelle Gründungsberatung kann hier erheblich Zeit und Fehler sparen.

Welche Förderungen stehen Migranten als Existenzgründer zu?

Migranten und Migrantinnen haben grundsätzlich Zugang zu denselben Förderprogrammen wie alle anderen Gründerinnen und Gründer in Deutschland – sofern die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit

Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet und Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, kann einen Gründungszuschuss beantragen. Dieser setzt sich aus dem bisherigen Arbeitslosengeld plus einer Pauschale für die soziale Absicherung zusammen. Voraussetzung ist ein überzeugender Businessplan sowie die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle.

AVGS – kostenloses Gründungscoaching

Ein besonders wertvolles Instrument ist der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). Mit diesem Gutschein, den die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter ausstellt, können Gründerinnen und Gründer ein professionelles Gründungscoaching vollständig kostenfrei in Anspruch nehmen. Das Coaching hilft dabei, den Businessplan zu entwickeln, die Finanzierung zu planen und sich auf Fördergespräche vorzubereiten.

Was sagt der Migrant Founders Monitor 2025?

Der Migrant Founders Monitor 2025 wurde am 14. Mai 2025 veröffentlicht und basiert auf Daten des Deutschen Startup Monitors mit 1.828 Teilnehmenden, darunter 255 Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund. Die Studie zeigt: Migrantische Gründer sind überdurchschnittlich gut ausgebildet, international vernetzt und resilienter als der Durchschnitt. Gleichzeitig sehen sie in Deutschland erheblichen Verbesserungsbedarf bei Visaprozessen, mehrsprachigen Behördenleistungen und der Fachkräfteeinwanderung.

Die geopolitischen Veränderungen weltweit bieten Deutschland laut der Studie eine konkrete Chance: Wer jetzt die Rahmenbedingungen für internationale Gründer verbessert, kann sich als attraktiver Standort für globale Talente positionieren.

Zum Migrant Founders Monitor 2025

Professionelle Unterstützung bei der Existenzgründung

Sie möchten den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – mit oder ohne Migrationshintergrund? Unsere erfahrenen Gründungscoaches begleiten Sie Schritt für Schritt: von der ersten Idee über den Businessplan bis zur Gewerbeanmeldung. Mit einem AVGS der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters ist das Coaching für Sie vollständig kostenfrei.

Coaching für Existenzgründer

Häufige Fragen zu Migranten als Existenzgründer (FAQ)

Können Migranten in Deutschland ein Unternehmen gründen?

Ja. EU-Bürger können in Deutschland ohne Einschränkungen ein Unternehmen gründen. Für Nicht-EU-Bürger ist in der Regel eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit erforderlich (§ 21 AufenthG). Die genauen Voraussetzungen hängen vom Einzelfall ab – eine rechtliche Beratung ist empfehlenswert.

Welche Förderungen gibt es für Migranten bei der Gründung?

Migranten haben grundsätzlich Zugang zu allen deutschen Förderprogrammen, sofern die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Besonders relevant sind der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit und der AVGS für ein kostenloses Gründungscoaching.

Wie hoch ist der Anteil migrantischer Gründer in Deutschland?

Laut Migrant Founders Monitor 2025 haben 14 % der Startup-Gründerinnen und -Gründer in Deutschland einen Migrationshintergrund. Bei Unicorn-Startups liegt der Anteil sogar bei 23 %.

Welche Branchen wählen Migranten als Gründer besonders häufig?

Migrantische Gründer sind besonders stark in technologieorientierten Branchen vertreten. 56 % der migrantischen Gründer mit Hochschulabschluss haben einen MINT-Hintergrund, was sich in einer Konzentration auf Tech-, Software- und Innovationsbranchen widerspiegelt.

Was ist der Migrant Founders Monitor?

Der Migrant Founders Monitor ist eine jährliche Studie, die den Anteil und die Besonderheiten migrantischer Gründerinnen und Gründer in Deutschland untersucht. Die aktuelle Ausgabe von 2025 basiert auf Daten des Deutschen Startup Monitors und wurde von der Friedrich-Naumann-Stiftung veröffentlicht.